Von Berlin in die Kommunen


Aufholprogramm für förderbedürftige SchülerInnen

Was steckt hinter dem Programm?

„Das Programm besteht aus zwei Säulen: Rund eine Milliarde Euro sollen in Nachhilfe- und Förderprogramme für Schüler gesteckt werden. Dafür soll es Sommercamps und zusätzliche Nachhilfekurse geben, unter Mithilfe von Vereinen, kommerziellen Anbietern oder auch pensionierten Lehrern und Nachwuchslehrkräften im Studium.

Eine weitere Milliarde ist für die Aufstockung verschiedener sozialer Projekte vorgesehen, die Kinder, Jugendliche und Familien unterstützen, um auch in diesem Bereich Krisenfolgen abzufedern. Dabei geht es um mehr Geld für Sprachförderung in Kitas in sogenannten sozialen Brennpunkten, weil viele Kinder die Einrichtungen nicht besuchen konnten, um mehr Sozialarbeit an Schulen sowie eine Aufstockung von Freizeitangeboten und kostengünstigen Ferienfahrten.“ HIER nachzulesen.

Dort ist auch die Kritik der Lehrerverbände nachlesbar. „Dass nach Jahren endlich die Ganztagsbetreuung auf den Weg gebracht wird, wurde längst Zeit. Aber auch das Schuljahr 2026/27 liegt da noch in weiter Ferne. Ob man überhaupt  dafür genügend Personal zu Verfügung hat, ist  fraglich.“

Das sog. Aufholprogramm sollte eher ein Abholprogramm sein. Das bedeutet, dass Eltern unterstützt werden, wenn sie Anträge auf Förderung ihrer Kinder stellen. Es gab immer schon ein Förderprogramm, über das man Hilfe beantragen konnte: Das sog. Bildungs-und Teilhabepaket, kurz BUT. Die Beantragung ist allerdings für Eltern und Schulen mit einem Verwaltungsaufwand verbunden, der enorm ist.

Eltern mit bildungsfernem Hintergrund -nicht nur die-brauchen Hilfe beim Ausfüllen der Anträge, und sie müssen überhaupt mal erst wissen, dass es diese Hilfen gibt. Gerade in Corona-Zeiten ist diese Unterstützung enorm wichtig.

Ich habe die Beantragung im Asylbereich gerade erst mal wieder begleitet und die Diskussion mit den zuständigen Stellen führen müssen. So ist die Hilfe z.B. gemäß der Richtlinien des BUT-Paketes üblicherweise für FörderschülerInnen nicht vorgesehen. Man geht davon aus, dass Förderschulen, die kleinere Klassen haben, das selbst leisten. In Corona-Zeiten allerdings fallen zusätzliche Angebote, die die Schule an Förderung anbieten, vielfach weg. Manche Kinder gerade eben aus dem Förderbereich mit Zusatzprogrammen haben seit  Monaten reduzierten Unterricht. Kinder mit Deutsch als Zweitsprache sprechen kaum noch Deutsch. Ich kenne die Situation hier in LA sehr gut. Von der technischen Ausstattung in den Familien mal ganz zu schweigen. Die Internetverbindungen in den Gemeinschaftsunterkünften in Stoßzeiten brechen oft zusammen.

Wenn jetzt aus Berlin dieses sog. Aufholprogramm starten soll, dann muss man sich sputen und darf nicht wieder am falschen Ende sparen. Die Corona-Pandemie zeigt genauso wie damals 2015 zur sog. Flüchtlingskrise die Lücken unseres Bildungssystems auf. Für Kinder bildungsfernen Elternhäusern besonders, jedoch auch für alle anderen. Auch jetzt werden wieder die Löcher nur mit der heißen Nadel wegen mangelhafter Personalpolitik gestopft. Die Kinder müssen abgeholt werden. Personen, die aus dem außerschulisch Bereich kommen, können unterstützen, aber die Förderung sollte professionell erfolgen, großzügig und unkompliziert! Sonst zahlen wir später viel mehr, wenn die Jugendlichen in den Betrieben nicht vermittelbar sind.

Übrigens hat die Stiftung „Integrationskultur“ nachgelegt und einen weiteren Laptop und einen Drucker gespendet. AGORA berichtete hier.

Aktualisierung: Die Bildungspolitik stand heute auf derTagesordnung des Bundestages. Die Opposition hat hier in ihren Anträgen Änderungsvorschläge gemacht.

7.0.5.2021, 19.02 Uhr

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