Berichterstattung in Kriegszeiten


Über Medien

Es gibt einen wichtigen Artikel bei Übermedien mit der Überschrift „Mit Eifer ins Gefecht“von Frederik von Castell. Er handelt über die Verbreitung von Propagandaseiten beider Kriegsparteien. Man sollte die Aufforderungen bestimmte Seiten z.B. der russischen Propaganda mit Klicks zu fluten, genauestens prüfen oder lieber ganz die Finger davonlassen. Man macht sich unter Umständen auch strafbar.

Diese Gefechtsteilnahme über die heimische Tastatur ist oft blinder Aktionismus, der allerdings auch wichtige Informationsquellen der Zivilbevölkerung in Russland, die nur noch eingeschränkten Zugang zu freien Medien haben, stören können. Also aufgepasst, der mediale Schuss kann in die falsche Richtung zielen.

Schauen wir mal auf die heimischen Printmedien, beispielsweise die Die Schwäbische Zeitung heute hier (digital)

Es geht um den Beitrag zur Unterbringung der Geflüchteten. AGORA-LA hatte die Pressemitteilung hier der drei Gemeinden gestern veröffentlicht. In der Papierversion der Schwäbischen wird auf Seite 16 dazu von Tanja Poimer geschrieben. So weit so gut. Direkt darunter veröffentlicht dieselbe Printausgabe einen Beitrag mit der Überschrift „Feinschmeckerabend mit den Südlandköchen“, der auf der Werft 1919 in Kressbronn stattfindet.

Screenshot AGORA-LA,9.03.2022,10.03 Uhr

Die Location war zu Corona -Hochzeiten AGORA-LA schon mal einen Bericht wert. Hier. Damals hatte die Schwäbische Zeitung auch wieder einmal werbend berichtet. Jetzt also wieder.

Ok, vielleicht haben die Pächter ja gute Verbindungen zur örtliche Printpresse. Aber, dass dieser Beitrag, der bei den Lesenden das Wasser im Munde in werbender Absicht zusammenlaufen lassen soll, unmittelbar unter dem Beitrag zur Unterbringung von möglicherweise traumatisierten, ausgehungerten Geflüchteten abgedruckt wird, scheint geschmacklos. Der Begriff „ live Frontcooking“ wirkt da als purer Zynismus! Aber vielleicht haben die Eventmanager dieser Kochaktion ja wenigstens eine Spende für die Menschen in der Ukraine im Hinterkopf.

Und die Zeitungsmacher?

Die müssten sich mal über ihre Strukturen beim Layout ihrer Zeitung in Kriegstagen Gedanken machen. Sollte jemand nach Jahrzehnten diesen Wahnsinn hoffentlich überlebt haben und diese Seite im Archiv betrachten, dürfte er sich über das Schlafwandeln aller Beteiligten nur wundern. Zwei Beiträge, die nicht zusammen abgedruckt gehören.

Die Presse kann bei uns im Gegensatz zu Russland frei berichten, gerade deshalb trägt sie in diesen Tagen eine besondere Verantwortung. Der Begriff „ live Front-Cooking“ ist einfach unpassend, während an der Front bei uns in Europa in der Ukraine in den Kellern gehungert und gestorben wird. Aber es liegt in unserer Hand, ob wir denTisch an der Front in Kressbronn belegen!

Da sitzt auch einer am Tisch:Aus Kindermund könnte die Frage vielleicht kommen: „ Ist live Front-Cooking in Kressbronn auch Krieg?“

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