Luxusprobleme

Ein persönlicher Kommentar:

Manchmal hilft es, auf den Ursprung eines Wortes zurückzugehen. „Luxuria“ (lat.) bedeutete in der römischen Antike „Überfluss“, „Verschwendung“, „Üppigkeit“. Genau diese Bedeutung, die die Übertragung des Wortes in viele Sprachen fast ohne jede Änderung bewirkte, beschreibt die Nöte, mit denen sich LA in der vergangenen Woche beschäftigt hat. Eigentlich eine Diskussion im Überfluss, keine überflüssige.

Es ist jetzt alles dazu gesagt. Das Positive: Die veränderte Mehrheit im Gemeinderat am letzten Montag. Aber, bitte schön, bei allem Respekt, es war ein winziger Schritt im Mikrokosmos der Kommunalpolitik, mehr nicht! Es  war lediglich  eine  Stellungnahme  zum Regionalplan. Und dieser Schritt hin zu einer neuen  Mehrheit war in einer demokratischen Wahl im Mai durch das Votum der Wähler gut vorbereitet worden. Auch ein Luxus, das Wahlrecht!

Das Negative: Die Einwohnerversammlung, die nicht gerade ein Glanzstück des demokratischen Umgangs miteinander war. Aber jetzt reicht es. Nun geht es seit Tagen nur noch um verletzten Stolz und Eitelkeiten.

Bitte vergesst im Überfluss der Luxus-Diskussion nicht die, die am Rande auch unserer Gesellschaft leben müssen. Es gibt sie auch bei uns. Das  lässt dann Baumschneideaktionen oder gestalterische Sorgen am Ort zu Winzigkeiten in der Wahrnehmung schrumpfen!

Der Südkurier hat  soeben  über die Zustände in Obdachlosenunterkünften in Überlingen berichtet. Karin Burger hat sich  des Themas auf  ihrem Blog SatireSenf angenommen. Auch AGORA berichtete bereits über die Situation der ungewollten Obdachlosigkeit in LA und die  fehlenden Antworten der Politik. Der Zustand mancher Obdachlosenunterkunft in LA schreit ganz aktuell gen Himmel. Warum schauen alle weg? Es scheint doch schon länger ein strukturelles Problem im Bodenseekreis zu sein.

Also immer schön auf dem Teppich bleiben und nichts darunter kehren! Es sind jetzt genug Debatten zur Nabelschau in LA geführt worden. Debatten im Überfluss, keine überflüssigen. Kümmert euch jetzt auch um die, deren Stimmen zu schwach sind!

„Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern geht uns allen doch gut. Seien wir dafür dankbar und zufrieden.“ So sagte mit Blick durch seine rosa Brille BM Krafft am Schluss der Einwohnerversammlung. Aber man muss nicht erst andere Länder in Blick nehmen. Es gibt auch bei uns vor der Haustüre verschwiegenes Elend. Das steht einer Touristendestination nicht gut! Der Wohlstand ist es, der zum Handeln für die Bedürftigen verpflichten sollte.

Schönen Sonntag!

In diesem Zusammenhang noch ein ergänzender Literaturhinweis auf AGORA vom 9.7.2019 zum Thema Verwaltungsethik. Aktualisierung 29.10.2019,7.33 Uhr

  1. Soviel zum eigenen Anspruch
    Abwärtsperspektive…. statt besser werden wollen
    „Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern geht uns allen doch gut.“ Das könnte auf den ersten Blick passen. Doch sicher ist das nur selektiv und monetär gemeint…. Selbstgefällig? Sicher jedoch für Ihre Gemeinde haushälterisch eine steile These! Abwärtsvergleiche dieser Art erinnern an die in Millionen dicker Bücher beschriebene Selbsterhöhung. Wie sähe es mit einem Aufwärtsvergleich aus? Was machen ähnliche Gemeinden wesentlich besser? Wo kann man lernen? Auch gerne im europaweiten Vergleich. Wie sind Verwaltungen und Menschen dort strukturiert? Wie werden Haltungen und Werte dort beschrieben und gelebt? Es geht dabei nicht nur um Kohle, Moos, Kies oder Schotter! Wer von uns könnte eine Seite füllen um das Wort „Ethik“ zu beschreiben? Gesellschaftsethik, Sozialethik, Wirtschaftethik, Kirchenethik, Presseethik, Verwaltungsethik und zahlreiche Lebensbereiche mehr. Nicht nur schreiben … leben müssen wir Menschen es! Auch Personen der Bürokratie können das – wenn die Selbstbeschäftigung endet. Wir glauben jedoch ganz fest daran – und beten dafür.

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