Öffentlichkeit


In der Blase

Man konnte gestern in der Schwäbischen Zeitung zum Thema bewusst lancierter Falschinformationen aus Russland lesen. „RT Deutsch“ ist der bekannteste Vertreiber von solchen Falschmeldungen. Dazu gab es offensichtlich einen Vortrag in der VHS Ulm, gehalten von der Ost -Europa-Expertin Susanne Spahn. Ihre Publikation findet man bei der FDP nahen Friedrich Naumannstiftung hier. „Ja und ?“, könnte man meinen. Aber gemeinsam bringen es „Sputnik Deutschland“ und „RT Deutsch“ auf höhere Nutzerzahlen pro Tag als die Internetangebote der „Süddeutschen“ und der „FAZ“, so berichtet Spahn laut SchwäZ. Was hilft?

In dieser Woche war gerade Bundestagspräsident Schäuble( 77)bei Gabor Steingrats Morning-Briefing zu Gast.  Er erzählte dort sichtlich beeindruckt von einem Treffen mit ehemaligen Außenminister der USAHenry Kissinger (97). Es ging um die Krise der Demokratie. „Wir lösen uns in der öffentlichen Debatte in Teil-Öffentlichkeiten auf. Das treibt auseinander. Was hält eigentlich die Gesellschaft noch zusammen, wenn sie keine gemeinsame Öffentlichkeit mehr hat? Die aber ist die Voraussetzung für eine funktionierende Demokratie“, sagt Schäuble dort.

Was kann man tun? Etwa wieder zurück zu zwei Fernsehprogrammen? Alle zusammen vor der Glotze? Oder immer mal in die Blase der Andersdenkenden eintauchen? Ja sicher, hält man aber nicht immer aus, wenn es beispielsweise um radikale Ansichten geht, die oft von Trollen generiert werden. Dort möchte man sich nicht lang aufhalten. Da platzt nicht die Blase, sondern der Leser vor Entsetzen. 

Aber Medienvielfalt vor Ort könnte schon mal helfen. Nicht nur eine Zeitung, die mit Bild und Text im Mainstream der Rathäuser schwimmt. Nicht Auszüge aus einem einzigen Presseorgan beispielsweise im Anhang  eines Haushaltsplans 2019, S.349, die als Pressespiegel  bezeichnet werden. So ein Spiegel wirkt nämlich blind. Wenn das einzige Lokalblatt dann auch noch den redaktionellen Teil des Amtsblattes, der wie die Schwäbische Zeitung demselben Verlag angehört, mit denselben Beiträgen versorgt, wird die Einheitsblase noch größer. Spätestens die Übernahme all dieser Beiträge auf den privaten Facebook-Account des Wahlkämpfers um das Bürgermeisteramt lässt manch einen Leser in der Blase nach Luft ringen. Immer wieder dieselben Bilder und Texte! Deshalb ist Meinungsvielfalt erwünscht- nur prüfen und beurteilen müssen wir sie selbst im Diskurs mit Anderen. Am Ende zählt dann das bessere Argument. 

Eine gute Vernetzung mit hintergründigen, seriös recherchierenden Blogs könnte helfen. Wohl gemerkt nicht mit denen, die von Parteien betrieben werden. Ein Blick auf das Impressum lüftet so manches Geheimnis um den Betreiber. Wie schrieb die SchwäZ neulich in eigener Sache: “Ein komplettes Bild entsteht nur, wenn man Dinge von allen Seiten betrachtet.“ Das stimmt. Aber nicht mit einer Einheitspresse vor Ort, die auch noch für einen kostenlosen Bürgermeisterwahlkampf missbraucht wird. Wir brauchen Vielfalt und die eigene Bereitschaft über unterschiedliche Auffassungen zu diskutieren. Auch mit denen in der jeweils anderen Blase. 

Das Fazit: Es ist anstrengend. Aber manchmal hilft ein guter Roman zum Abtauchen.Offline. Mal ganz ohne Meinungsbildung, einfach so. . .

Schönen  Sonntag!