Klima, Klima, Klima


Hundstage

Irgendwie passt alles nicht mehr: Die Hundstage beginnen zu früh.

Anderes passt auch nicht mehr. Die glorifizierend anmutenden Äußerungen der Verantwortlichen zum Fest der Bodanwerft in Kressbronn am letzten Wochenende. Der Berichterstatter der Schwäbischen Zeitung berichtete hier und zitiert Bürgermeister Enzensperger: „Dieses Projekt hat die Gemeinde nicht nur ein Stück näher an den See gebracht. Die Bodan-Werft und das gesamte Areal sind ein einzigartiges städtebauliches und touristisches Vorzeigeprojekt für Kressbronn und das Land.“ Regierungspräsident Klaus Tappeser spricht immerhin von einem „weiten Weg mit zahlreichen Hürden“, ist jedoch in demselben Artikel mit den folgenden Worten zu hören:„Kressbronn und die Bodan-Werft sind ein Gewinn. Dieses Projekt steht als Meilenstein für uns alle.“

Dass dieses Projekt äußerst umstritten war, ist kein Thema. In Artikeln der Schwäbischen Zeitung ist das Ringen um dieses Areal der letzten Jahre durchaus nachzulesen. Sogar bis nach Stuttgart beschäftigten sich die Zeitungen damals hier mit dem Thema. Aber auch im Ort selbst gab es Widerstand.

Bürgerinitiativen haben versucht, das Vorhaben zu verhindern. Mehrere Petitionen scheiterten jeweils am Veto der CDU-Vertreter im Petitionsausschuss. Der 2012 gegründete grüne Ortsverband Kressbronn hat sich bis heute gegen dieses Projekt gestellt. Sowohl BUND als auch NABU haben durch mehrere fachlich fundierten Gutachten die Verfehlungen insbesondere beim Artenschutz und Biotopschutz bis heute im Blick.

Zu den Auswirkungen auf das Mietniveau in Kressbronn hatte die Schwäbische Zeitung hier geschrieben, indem sie die Ergebnisse des EMA-Gutachtens, das von der Verwaltung beauftragt wurde, verwies: 

„ [. . . ] Vergleichsberechnungen zwischen der ortsüblichen Vergleichsmiete ergaben, dass die tatsächlichen Nettomieten der Wohnungen im Bereich der ehemaligen Bodan-Werft im Durchschnitt um 47,8 Prozent über den durch den Kressbronner Mietspiegel ermittelten Vergleichswerten liegen. Im Einzelfall überschreiten die tatsächlichen Nettomieten der untersuchten Wohnungen auf dem Bodan-Areal die ortsüblichen Vergleichsmieten, die über den Mietspiegel ermittelt wurden, um minimal 25,7 bis maximal 67,8 Prozent.

Wenig überraschend: Die Mietpreise der Bodan-Wohnungen liegen deutlich über den im Mietspiegel errechneten ortsüblichen Vergleichsmieten. Der Gemeinderat hat das EMA-Gutachten als Teil des Mietpreisspiegels 2020 anerkannt. [. . . ]“ 

Wirklich ein Gewinn für uns alle? Das vorgebrachte Argument, der Wohnungsnot mit der Bebauung zu begegnen, spielte bei den hohen Mietpreisen eher eine untergeordnete Rolle.

Dass es auch anders gehen kann, wird hoffentlich mit dem Projekt Naturella demnächst in Langenargen zu besichtigen sein. Dort schafft die Ökonomie andere Voraussetzungen, weil sich das Gelände im Besitz der Firma Fränkel befindet. Im Sinne der Ökologie wird der Natur entsiegelte Fläche zurückgegeben und an die Allgemeinheit vermietet.

Der Klimawandel mit den aktuell hohen Temperaturen verbunden mit Starkregenrisiken, die sich immer häufiger einstellen werden, verbieten eine Versiegelung von Böden, die einen Platz wie an der Bodenwerft schon an weniger heißen Tagen zum Glutofen werden lassen. Vielleicht blieb deshalb manche Bierbank leer.

Immerhin hat der Wahlkämpfende im Glanz der Öffentlichkeit mit den begleitenden Bilder seinen Heimvorteil mit Blick auf die Bürgermeisterwahl im Oktober genutzt.

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