Das Schloss: Aufstiegshilfe im Gemeinderat

Zugang immer noch nicht für alle? Ein Gutachten

Das Restaurant im Schloss ist geöffnet, es ist den ersten Tagen gut besucht, jedoch gibt es noch immer keinen Zugang für alle. 

Zufällig ist AGORA-LA am letzten Samstag Zeugin einer Hilfsaktion gewesen: einer älteren Dame mit Rollator musste auf der Terrasse über die Stufen in den Innenraum Richtung Toilette geholfen werden. Die Hilfsaktion dauerte länger, ging es doch über den mühsamen Aufstieg durch das Treppenhaus nach oben. Die künftigen Toiletten im unteren Bereich sind noch nicht fertig, allerdings wären auch sie ohne Aufzug nicht barrierefrei zu erreichen. Schon gar nicht mit einem Rollstuhl! 

Zum barrierefreien Zugang zum Schloss hatte AGORA-LA mehrfach berichtet, zuletzt im Sommergespräch mit BM-Münder (vgl.hier).

Über den leider momentan nur exklusiven Zugang zum Restaurant hat nun der Gemeinderat am letzten Montag erneut (vgl .hier) gesprochen. Entschieden wurde noch nichts. Zugeschaltet per Video war der mit einem vom Gemeinderat beauftragten zusätzlichen Gutachten, das AGORA-LA vorliegt, Bauingenieur Thümmler vom Ingenieurbüro für Historische Baukonstruktionen (IHB). Er hat sich im Sinne der Variante 2 im Treppenauge ausgesprochen. Dabei sieht er besonders den barrierefreien Zugang zum Schloss im Vordergrund. Er schreibt in seiner Stellungnahme:

Aus meiner Sicht ist die „Lösung 2“ (Treppenauge) der am besten geeignete Standort für den Aufzug. 

„ [. . .]  Begründung: 

Es müssen weniger horizontale Elemente durchstoßen werden 

als bei den beiden anderen Lösungen. Die Decken der neben dem Treppenhaus liegenden Räume, die bei „Lösung 1“ und „Lösung 3“ durchstoßen werden müssten, sind nach Aussage der Beteiligten historisch.  Die Durchdringung des Kreuzgewölbes über dem UG verläuft symmetrisch und ist daher konstruktiv einfacher zu bewerkstelligen. Innenwände, die z.T.nicht übereinander liegen und durch die Lasten des Turmes ohnehin grenzwertig belastet sind, müssen nicht aufwändig abgefangen werden. 

Die Durchdringung der Decke zum DG ist konstruktiv einfacher zu bewerkstelligen, da sie nicht im Bereich eines Gratgebindes mit Stuhlkonstruktion verläuft. 

Die Wege sind für gehandicapte Menschen die gleichen wie für nicht gehandicapte. Auf Grund der ungünstigen Treppensteigung wird der Aufzug dann auch von älteren Personen genutzt werden können.  (Hervorhebung AGORA-LA)

Durch den Einbau des Treppenhauses ist dieser Bereich, der bauzeitlich eine zweigeschossige Nutzung hatte, zum Erschließungsraum umgewidmet worden. Obwohl dies aus heutiger Sicht möglicherweise zu kritisieren ist, würde der Einbau des Aufzuges im Treppenauge nicht noch einen weiteren Erschließungsweg generieren. Der Einbau des Aufzuges kann (mit Ausnahme der Herstellung der Deckendurchbrüche) als reversibel angesehen werden. Zusammen mit der ebenfalls geplanten Veränderung im Eingangsbereich entsteht m.E. ein stimmiges Konzept, das mit dem unmaßstäblichen Einbau des Treppenhauses in den 1960er Jahren auf bestmögliche Weise umgeht. 

Es sollte versucht werden, den Aufzugsschacht so transparent wie möglich (Stahl / Glas) zu konstruieren. Die Aufzugskabine könnte eine Parkstellung im UG erhalten, so dass sie bei Nichtbenutzung des Aufzugs nicht sichtbar ist. [. . . ]“

Gemeinderätin Porstner( FWV)  hat  zum Schluss der Ausführungen sich nochmals  bei Bauingenieur Thümmler vergewissert, dass die Lösung 2 identisch mit der präferierten Lösung des Denkmalamtes sei. Das wurde bestätigt.

Einschätzung:

Damit wird nun hoffentlich endlich eine Lösung im Sinne eines Schlosses mit Zugang für alle geschaffen werden. Eine Lösung, die bereits vor zwei Jahren möglich gewesen wäre! Wann auch immer der Einbau des Fahrstuhles abgeschlossen sein wird- jetzt bei laufendem Betrieb der Gastronomie nicht gerade von Vorteil- die Verzögerung und die Diskussion über die Ästhetik des Aufzuges war im Sinne der Barrierefreiheit eines Schlosses für alle unsäglich und man muss es so sagen: Exklusion statt Inklusion im öffentlichen Raum, beschlossen durch Teile des damaligen Gemeinderates. Eine Diskussion, die das Gremium, nicht etwa die Verwaltung zu verantworten hat. Zu den Beiträgen der Vergangenheit hierhier.

( aktualisiert und korrigiert von AGORA-LA am 26.9.2024, 14.30 Uhr: Herr Thümmler ist Bauingenieur, kein Architekt, s. Website hier )

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