Sommergespräch mit Bürgermeister Ole Münder

Auf der Schlossterrasse

Das hat gepasst: Wetter, Location und ein Gespräch mit BM Münder, das nun zum vierten Mal in Folge immer wieder im Sommer an anderen Orten in LA stattfindet. Wir durften jetzt schon mal vor der offiziellen Eröffnung auf der Schlossterrasse Platz nehmen. Noch gab es leider keinen Kaffee und Kuchen. Aber bald. Um uns herum wurde eifrig geschafft, der letzte Schliff ist fast getan.

 AGORA-LA hatte zuvor in die Texte letzten drei Sommergespräche ( 2021 hier,2022 hier,2023 hier)  geschaut: Themen, die schier in einer Endlosschleife lagen, immer wieder auftauchten, die sich nun jedoch ganz allmählich aufzulösen scheinen wie beispielsweise das Feuerwehrhaus. Aber lesen Sie selbst:

Blick aus der Ferne: Fotos sind auf der Terrasse noch nicht erlaubt

AGORA- LA: Herr Münder, wir sitzen endlich auf der Terrasse am Schloss. Freut Sie das als Schlossherr, endlich einen Pächter gefunden zu haben? Sind Sie darüber glücklich?

BM Münder: Ja, absolut. Es hat sich an dieser Stelle in den letzten ein bis zwei Jahren enorm viel bewegt. Wir sind sehr froh, dass es genau so gelaufen ist. Diese Pächterwahl war ein echter Glücksfall für diese Gemeinde. Ohne diesen Pächter und ohne seinen Einsatz wäre das weder in der Zeit, noch in dem Umfang, noch in einer solchen Qualität möglich gewesen.

Dieses Foto ist erlaubt: Blick von der Terrasse

AGORA-LA: Ich habe bereits eine Führung  mit dem  Restaurator, Herrn Frei und dem Architekten Albrecht Weber mitgemacht. Das Interesse war auch seitens der Bevölkerung groß, so dass gar nicht alle mitgehen konnten. Es das wäre schön, wenn man solche Führungen beibehalten könnte. 

Liebevolle Kleinarbeit der Restauratoren

BM Münder: Natürlich. Die Langenargener lieben ihr Schloss. Aber auch viele Menschen, die von außerhalb kommen, möchten das Schloss besuchen, weil es einfach ein Alleinstellungsmerkmal am Bodensee ist.  

Mit dem Einsetzen des Pachtbetriebes hören die Investitionen im Schloss jedoch nicht auf, denn es gibt noch zahlreiche Bereiche, die saniert werden müssen. Als nächster größerer Schritt ist das Untergeschoss an der Reihe. Ich bin sehr guter Dinge, dass wir auch das gemeinsam mit Pächter und dem Landesamt für Denkmalpflege stemmen, denn der bisherige Verlauf, die Zuverlässigkeit der Handwerker und die hervorragende Zusammenarbeit der Teams machen mich zuversichtlich.

AGORA-LA: Aber wie ist das mit der Barrierefreiheit? Das Thema Aufzug, ( vgl. auch hierhier) ist noch nicht geklärt?

BM Münder: Nein, wir werden das Thema im Herbst wieder im Gemeinderat auf der Tagesordnung haben, zusammen mit Herrn Thümmler, einem Diplomingenieur aus Hünfeld der sich sehr intensiv mit denkmalgeschützen Gebäuden unter dem Aspekt Barrierefreiheit beschäftigt. Aus meiner Sicht, das habe ich auch immer gesagt, ist die Barrierefreiheit nicht verhandelbar. Man muss ja auch für den Kaffeebetrieb eine sinnvolle Lösung finden, genauso wie für das obere Stockwerk. 

AGORA-LA: Wenn man hier auf der Terrasse sitzt, hat man zwar die schiefe Ebene, um mit einem Rollstuhl auf die Terrasse zu kommen, aber man kommt im Moment nicht ins Innere des Kaffeehauses, z. B. zur Toilette. Man müsste im Moment einen Rollstuhlfahrer zur Toilette an der Schlossgarage begleiten.

Der Zugang über die schiefe Ebene auf die Terrasse klappt mit Rollstuhl (Foto aus der Sicht vor dem Bauzaun)

BM Münder: Das ist schon ein Problem. Das Schloss ist ein öffentliches Gebäude, daher gilt es, die Barrierefreiheit zu gewährleisten.

AGORA-LA: Es wurde ja nochmals eine zusätzliche Meinung zur Barrierefreiheit im Gemeinderat durch einen weiteren Architekten eingefordert. Gibt es diese zweite Meinung schon ?

Barriere: Die beiden kleinen Pfosten sollen die äußeren Ecken des Aufzuges markieren (Ortsbegehung mit dem Gemeinderat)

BM Münder: Herr Thümmler hat erklärt, dass die Lösung nach allen Abwägungen für einen Aufzug in der Mitte zu bevorzugen ist. Damit wären dann alle Ebenen abgedeckt und barrierefrei zu erreichen. Das werden wir in der nächsten Gemeinderatssitzung mit ihm besprechen. Ziel ist es, alle Ebenen zu erschließen. Die Barrierefreiheit dieses Gebäudes ist für mich keine Frage des Wollens, sondern eine Frage des Tuns!

AGORA-LA: Bei der Durchsicht des Sommerinterviews 2023 am Dammhäusle war das Thema  Seewärme Ihnen damals wichtig. Was ist daraus 2024 geworden?

BM Münder: Wir haben mit der KWA einen Partner gefunden, der auch mit einer noch zu gründenden Gesellschaft den Antrag auf Förderung für ein Nahwärmekonzept stellen kann. Im ersten Schritt wird der Verbund zwischen KWA und der Gemeinde besiegelt, im zweiten Schritt wird die Aufteilung zwischen Investition und Betrieb vorgenommen. Beim Betrieb ist es unser Ziel, das Regionalwerk mit an Bord zu nehmen. Im Herbst wird im Gemeinderat die genaue Vertragsgestaltung behandelt werden. Das Gremium hatte dieses Projekt einstimmig befürwortet und steht hinter der Wärmwende, die uns in den nächsten 5-10 Jahren intensiv beschäftigen wird, um sich auf Dauer unabhängig von fossiler Energie zu machen. Das alles erfordert viel Vorlauf. Die Entscheidung über die Errichtung einer Seewärmelösung, die ich mir nach wie vor für diesen Ort wünschen würde, wird die betriebswirtschaftliche Darstellung treffen, denn am Ende müssen wir erreichen, dass die Kosten für Nahwärme für die Abnehmerinnen und Abnehmer so gering wie möglich sein sollen.

AGORA-LA: Anderes Thema Bebauungsflächen in LA: AGORA-LA wurde der Link zu einer Website der Firma „Studio Fink“ zugesandt. Dort wird unter der Überschrift „Wohnen in Langenargen“ auf das Projekt „Jahnstraße“ mit der Gemeinde Langenargen als Bauherrin hingewiesen (vgl. hier  Wohnraumbedarfsanalyse). Es ist eines der wenigen gemeindeeigenen Grundstücke, das in der Wohnraumbedarfsanalyse als für den Wohnbau besonders geeignet klassifiziert wurde. Was hat es damit auf sich?

BM Münder: Es wurde eine Vorplanung gemacht und mit dem Gemeinderat abgestimmt, dann haben wir den Fuß ein wenig vom Gaspedal  genommen und mit Blick auf die gesamte Fläche am Strandbad  die Planung  in der Jahnstraße zunächst nicht weiterverfolgt. Alles hängt  mit allem zusammen: Das bedeutet,  wenn die Realisierbarkeit der Fläche für das Pflegeheim am Auffangparkplatz gegeben ist, dann kann man sich der Fläche am  Strandbad widmen und auch über die Jahnstraße mitentscheiden, die an die Fläche am Strandbad  anschließt. Dort soll dann primär Wohnbau realisiert werden.

AGORA-LA: Auf dieser Fläche wurde nun bereits der Interimskindergarten errichtet. Warum nur als Interimslösung? 

BM Münder: Wir haben zunächst eine Laufzeit von drei Jahren geplant. Die Bezeichnung Interimskindergarten bezieht sich auf den zu erwartenden Bedarf von Plätzen. Man muss abwarten, ob man dauerhaft weiterhin diesen Bedarf an Kindergartenplätzen benötigt, zumal nach aktueller Einschätzung der zusätzliche Betreuungsbedarf durch die Ansiedlung von Naturella eher niedrig sein dürfte. Ist der Bedarf an Plätzen stabil, hätte dieser Standort aus meiner Sicht auch dauerhaft durchaus Charme. Vom Einzugsbereich her ist der Platz dort gut gewählt, weil er primär Bierkeller, Gräbenen und Schwedi als Einzugsgebiet abdeckt. Je nachdem, wie es am Auffangparkplatz weitergeht, wird über dieses gesamte Areal am Strandbad einschließlich Kindergarten neu nachzudenken sein.

AGORA-LA: Wir haben einen neuen Gemeinderat. Einmal hat er im Juli bereits getagt. Es gibt viele neue, junge Gesichter, Neulinge, die sich in viele Projekte einarbeiten müssen. Wo und auf welche Weise werden Sie die Neuen abholen, gibt es so eine Art Einführung in die zahlreichen Projekte?

BM Münder: Ich habe jedes neue Gemeinderatsmitglied eingeladen, um sich über die jeweiligen Erwartungen auszutauschen. Wir werden bei anstehenden Entscheidungen versuchen, den neuen Kolleginnen und Kollegen den bisherigen Werdegang eines Projektes näher zu bringen, so dass sie wissen, wo sind wir gestartet, wo stehen wir aktuell, was bedeutet die aktuell anstehende Entscheidung für die Zukunft? Im Oktober -etwas früher als sonst -haben wir eine Klausurtagung. Dort werden wir Projekte, die von grundsätzlicher Bedeutung sind, besprechen, um die neuen Mitglieder im Gemeinderat mitzunehmen.

AGORA-LA: Apropos Projekte von Bedeutung. Wie ist der Stand beim Mooserweg ?

BM Münder: Wir haben dem Gemeinderat den ermittelten Ausgleichsbedarf an Flächen und Ökopunkten für diese Fläche vorgestellt, der als sehr umfangreich einzustufen ist. Das haben wir auch für die Fläche am Auffangparkplatz Stichwort Pflegeheim getan. Nun ermitteln wir die Geeignetheit der Flächen in kommunalem und Stiftungseigentum, die wir in Ansatz für den Ausgleich bringen können. Das erfordert weitere Arbeiten, denn hier spielt die Entfernung zu den auszugleichenden Flächen sowie deren Beschaffenheit eine wesentliche Rolle.

Für mich genießt, das sage ich ganz offen, hinsichtlich der Flächenprüfung für den Ausgleich der Fläche das Pflegeheim absolute Priorität. Ausgehend von dieser Frage ergeben sich Konsequenzen für alle anderen Fragen rund um mögliche Bebauungen von Flächen. Beim Mooser Weg brauchen wir zusätzlich Umwandlungsgenehmigung, die uns die Umwandlung einer Streuobstwiese in Wohnraum erlaubt. Die Entscheidung liegt hierfür beim Landratsamt. Es muss ein öffentliches Interesse begründet sein. Für eine Entscheidung braucht das Landratsamt jedoch zuerst einmal eine Planung und Darstellung des Nutzungszwecks sowie Umfang. Diese Planung kann ich aber nur dann vorantreiben, wenn ich den Ausgleich an Flächen und Ökopunkten belegen kann. All diese Prüfungen kosten Zeit und Geld, wir kommen aber nicht daran vorbei, denn den zweiten Schritt vor dem ersten zu tun, bringt nichts. Gründlichkeit ist hier auch mit Blick auf mögliche Investoren in ein Pflegeheim wichtig, um solide die Zukunft aufbauen zu können.

AGORA-LA: Wir haben hier auf der Terrasse längst nicht alles ansprechen könne. Man könnte hier in dieser schönen Umgebung noch länger sitzen. Das wird in Zukunft hoffentlich noch öfter möglich sein. AGORA-LA bedankt sich herzlich für dieses Gespräch und wünscht Ihnen, Ihrer Mannschaft im Rathaus und dem neuen Gemeinderat einen guten Start im September!

Diesen Blick vom hinteren Teil des Schlosses auf den See darf man schon vor der Eröffnung des Kaffeehauses teilen

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