LESERBRIEF


Gemeindeentwicklung 2040

Der folgende Leserbriefen Ulrich Ziebart erreichte AGORA-LA. Er nimmt Bezug auf den Beitrag zum Gemeindeentwicklungskonzept 2040 hier auf AGORA-LA.

Liebe Frau/Herr Fendi,

wenn ich auch mit den meisten Ihrer Schlussfolgerungen nicht übereinstimme, so bietet Ihre Analyse doch sehr viel Interessantes und Lesenswertes, wenn es um die zukünftige Wohnraumentwicklung in Langenargen geht. Bei Ihrer Analyse der demographischen Entwicklung in Langenargen und des Zuzugsverhaltens ist es durchaus interessant, dass die Gruppe der 25- bis 40-jährigen eine positive Zuzugsbilanz hat. Ebenso, dass über 65-Jährige eher weg- als zuziehen. Wobei durch die Alterung der Langenargener Bevölkerung dieser Anteil weiter zunimmt, während der Anteil der unter 15-Jährigen weiter abnimmt. Wie Sie die Bevölkerungsvorausberechnung bis 2035 durchgeführt haben, kann ich nicht erkennen. Es wäre gut, wenn Sie Ihre Formel einmal erläutern, dann ist es nachvollziehbar, ob die Zahlen valide sind.

Ihre „Einschätzung“, dass Sie keine besonderen Wohnraumbedarfe sehen, teile ich nicht. Und zwar aus den folgenden Gründen:

  • Wie dem Vorbericht zum Haushaltsplan 2021 der Gemeinde Langenargen zu entnehmen ist, ist zwischen 2010 und 2019 die Zahl der Wohngebäude um absolut 75 Gebäude und die Zahl der Wohnungen um absolut 269 Wohnungen gestiegen. Dies ist also der Zubau in dieser Zeit. Dabei ist die Zahl der Zweitwohnungen darunter praktisch gleich geblieben. Gleichzeitig ist die Zahl der Einwohner in dieser Zeit  um 74 gesunken, also ist die Zahl der durchschnittlichen Bewohner je Wohnungen, wenn man die Zweitwohnungen unberücksichtigt läßt, von 1,98 auf 1,84 zurückgegangen. Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, werden zusätzliche Wohnungen benötigt.
  • Das Gebiet „NaturElla“ wird nur Mietwohnungen beeinhalten. Der Bedarf an Eigentum, seien es Hausanteile oder Geschosswohnungsbau, wird hiermit nicht bedient. Ebenso nicht der Bedarf an geförderten Wohnungen, der bei NaturElla unter 25% liegen wird.
  • Die Entwicklung der Mietkosten sowie der Preise bei Erwerb spielt in Ihren Darlegungen keinerlei Rolle. „Bezahlbarer Wohnraum“ ist der, der bei Miete genügend Luft für den Lebensunterhalt läßt und bei Erwerb auch von „Normalverdienern“ zu leisten ist. Wenn die Nachfrage das Angebot eklatant überschreitet, wie derzeit in Langenargen, ist beides nicht mehr gegeben. Und dies wird zu Schieflagen in der sozialen Struktur einer Kommune führen.
  • Die demographische Entwicklung wird nicht nur die Bezahlbarkeit von Wohnraum berücksichtigen müssen, sondern auch das Angebot von speziellen Wohnformen, die altersgerecht, pflegerecht, barierrefrei sind.
  • Großer Nachholbedarf besteht auch für Beschäftigte in Gewerbe und Tourismus, die derzeit einpendeln müssen, mit entsprechenden Auswirkungen auf die Verkehrsbelastungen im Ort.

Recht gebe ich Ihnen:  „Das Thema „Bauen und Wohnen“ muss auf eine faktenorientierte Basis gestellt werden“. Eine Bedarfsanalyse ist überfällig und wurde von vielen Akteuren seit Jahren angemahnt. Gewinner einer „Klotz-Bebauung“ sind nicht die Langenargener. 

Und: Die kreative, verantwortliche Entwicklung des  Wohnens in Langenargen bedeutet die verantwortliche, gute Entwicklung des Lebens in Langenargen.

Ulrich Ziebart

Anmerkung AGORA-LA:

Die Daten zur Graphik der Bevölkerungsentwicklung sind der Vorausberechnung der Bevölkerungsentwicklung des statistischen Landesamt BW entnommen.Hier.

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