Auf ein Eis am Stiel mit Ole Münder


Im Strandbad

Es passte gut, dass gerade zum Interview-Treffen mit Bürgermeister Münder die gelbe Fahne, die die Gefahrenlage beim Schwimmen im See anzeigt, eingeholt wurde. Gewechselt wurde nach grün: keine Gefahr, alles ruhig. 

Also gerade recht für ein entspanntes Sommergespräch. Im letzten Jahr waren wir auf der Terrasse des Kavalierhauses hier. Damals etwas später im August mit einer Kugel Eis, jetzt ein Eis am Stiel im Schatten eines Baumes und im Juni wärmer als damals im August. Inzwischen ist Ole Münder als Bürgermeister endlich, pandemiebedingt verspätet, offiziell vereidigt.

AGORA-LA: 

Im letzten Jahr im August waren Sie gerade angekommen. Jetzt sind Sie den zweiten Sommer hier. Gibt es inzwischen feste Lieblingsplätze in Langenargen?

Bürgermeister Münder: 

Unterschiedlich, natürlich am Malereck. Aber als Familie sind wir auch gerne im Strandbad unterwegs. Ich sitze gerne auf der Bank hinter dem Haus am Gondelhafen. Wenn man mal aus dem Trubel raus möchte, geht’s nach Oberdorf oder zum Wanderparkplatz in Tuniswald, den ich sehr mag. Der Spielplatz an der Unteren Seestraße ist für mich aber auch einer der schönsten Plätze am See. Und das Rathaus als historisches Gebäude liebe ich sehr und gehe natürlich seit dem 4.1.2021 dort besonders gerne hin.

AGORA-LA:

Welche Themen kosten Sie die meisten Nerven?

(längere Pause, dann herzhaftes Lachen)

Bürgermeister Münder:

Das ist eine gute Frage. (Nochmals Pause)

AGORA-LA:

Ich kann ja nachhelfen. Sind es Bauthemen zum Beispiel oder bezahlbarer Wohnraum?

Bürgermeister Münder:

Wir haben in den letzten anderthalb Jahren einiges auf den Weg gebracht. Fangen wir bei den großen Themen an, die einen natürlich sehr stark beschäftigen. Zunächst das Thema Feuerwehrhaus, wo wir nahezu in jeder Sitzung einen neuen Sachstand hatten. Da sind wir schon einige Schritte weiter und ich bin nun sehr froh, dass wir im Wege des VGV-Verfahrens einen Architekten ermitteln können, damit wir hiernach mit der Entwurfsplanung weiterkommen. Es ist extrem bedauerlich, dass die alten Planungen nicht realisiert werden konnten. Die Wurzeln dafür wurden jedoch weit früher gelegt. Für mich unverständlich ist, dass man letztlich diese Planung weiter fortgeführt hat, obwohl eine existentielle Frage über das Gelingen des Vorhabens letztendlich nicht geklärt wurde. (Anm. AGORA-LA: gemeint ist Frage der Tiefgarage.). Ich bin jedoch sehr dankbar, dass die Kameraden der Feuerwehr diesen anstrengenden Weg mitgehen und wir diesbezüglich mit dem Gemeinderat zügig vorankommen.

AGORA-LA: 

Aber waren denn die Beteiligten an keiner Stelle erstaunt, dass das so nicht geht? Sie haben zuvor seit 2012 doch auch immer mit am Tisch gesessen. 

Bürgermeister Münder: 

Vielleicht ist manches zuvor nicht richtig eingeschätzt und kommuniziert worden. Das ist Vergangenheit, das will ich nicht bewerten, aber man hätte sicherlich die Planungen früher stoppen sollen. Ähnlich haben wir das ja auch im Einvernehmen mit dem Gemeinderat mit den Planungen für Gräbenen VI gemacht. Nachdem die Eigentumsfragen nicht geklärt waren, haben wir die weiteren Planungsschritte auf Eis gelegt und verhandeln jetzt die Grundstücke nach.

Dann haben wir das nächste Thema Pflegeheim. Das ist meines Erachtens das umfassendste Projekt, das die Gemeinde und die Stiftung „Hospital zum Heiligen Geist“ vor sich haben. Wir stehen hier unter hohem zeitlichem Druck. Wir haben ungünstige Rahmenbedingungen. Der Standard des Heimes entspricht nicht mehr den Vorschriften und wird nur noch bis August 2024 von der Heimaufsicht toleriert. Außerdem werden wir mit stark steigenden Baukosten rechnen müssen. Auch müssen wir Fragen zu anderen sozialen Themen in diesem Umfeld wie z. B. die Kurzeitpflege und Tagespflege klären. Es sind also wichtige Entscheidungen unter großem Zeitdruck treffen. Gut ist, dass zwei Grundstücke in LA in Händen der Stiftung sind, die mit in die finanzielle und räumliche Planung einfließen können.

AGORA-LA: 

Die Ausnahmegenehmigung gilt also bis 2024. Was geschieht bis dahin?

Bürgermeister Münder: 

Das neue Haus wird natürlich nicht in zwei Jahren gebaut sein können. Aber wir müssen die Eckpunkte der Planung bis dahin haben und vorlegen können. Das Nadelöhr der Zukunft wird allerdings nicht nur in LA das Pflegepersonal sein. Wenn wir großzügig mit den angedachten Plätzen von rd. 80 planen, wie es die Pflegebedarfsprognose für Langenargen ja vorsieht, und es stehen dann 20 Plätze wegen Mangel an Personal nicht zur Verfügung, ist das wirtschaftlich nicht abbildbar. (Anm. AGORA-LA: vgl. hier)

AGORA-LA: Viele Baustellen. . . 

Bürgermeister Münder: 

So, das waren die großen Baustellen. Es gibt noch andere, z.B. Sanierung Schlossgarage, Verkehrsentwicklungsplan von 2017. Den Plan gibt es seitdem, wurde aber den Gremien noch nicht vorgestellt. Das holen wir jetzt nach und das Thema kommt in der Julisitzung endlich auf die Tagesordnung. Wir werden Zug um Zug die Themen daraus angehen. Also einige Baustellen.

AGORA-LA: 

Ich habe noch ein paar kleine Baustellen. Wir sitzen ja gerade hier und schauen auf die Riesengebäude neben dem Strandbad, das nach Jahren immer noch nicht fertig ist. Es wird damit zum Referenzgebäude für weitere, oder? ( Anm.AGORA-LA vglhier AUT-Protokoll, TOP 3, Montfortbote Amtlicher Teil, S.5)

Bürgermeister Münder:

Ja, wenn das so genehmigt wurde. Aber das entscheidet ein Bürgermeister ja nicht allein.

AGORA-LA: 

Thema Seewärme. ( Anm.AGORA-LA: vgl hier). Sie sind überzeugt davon?

Bürgermeister Münder:

Ja absolut , es sind noch viele Fragen offen, aber es wird hoffentlich ein Erfolgsmodell mit Pilotcharakter werden. Gerade in diesen Zeiten. Wir möchten es mit Meersburg gemeinsam projektieren und ans Laufen bringen. Ich bin mit meinem Amtskollegen Scherer dort gut im Gespräch und es ist von Vorteil, wenn beide Gemeinden die Förderung dafür zusammen auf den Weg bringen. Sie haben sich dort politisch einstimmig dazu positioniert, diesen Schritt gemeinsam mit uns gehen. Aber auch dort gibt es Herausforderungen, z.B. muss sich die Lösung insbesondere für den Großabnehmer, die Therme, rechnen. Wenn es klappt, wäre es auf deutscher Seite ein Alleinstellungsmerkmal am Bodensee. Die Schweizer sind da schon weiter.

AGORA-LA:

Wie steht es auf Dauer mit dem Tourismus?

Bürgermeister Münder:

Der Ort ist ein Ferienort. Der Tourismus ist daher sehr wichtig und prägend für Langenargen und wir haben hier eine äußerst engagierte Gastronomie- und Hotelszene, sowie zahlreiche Privatvermieter, deren Angebot wichtig für die hohe Nachfrage in Langenargen ist. Aber auch hier ist das Personal der Schlüssel für die zukünftige Entwicklung. Wir sind daher froh, dass die Gastronomie in Fragen der Personalakquise mit dem Umbau der Mühle an der Kanalstraße eine Möglichkeit bekommt, für ihr Personal in der Saison Wohnraum zu bekommen.

Im Hinblick auf kulturelle Angebote trägt Peter Vogel mit seinen Schlosskonzerten hier wesentlich zur hochwertigen Prägung des Ortes bei, sowie zahlreiche andere Kulturschaffende aus dem Veranstaltungsbereich sowie der bildenden Kunst. Vor allem wenn man die reine Einwohnergröße betrachtet, ist der Ort mit diesem kulturellen Angebot sehr gut aufgestellt, wir verfügen über ein hochqualitatives Museum. Ein absoluter Glücksfall. Auch ein wichtiger Punkt als touristische Attraktion des Ortes, aber auch für die Einwohnerinnen und Einwohner ein Gewinn.

AGORA-LA: 

Was tut sich beim Thema Pächtersuche für das Schloss?

Bürgermeister Münder:

Wir werden das Thema demnächst im Gemeinderat haben, es ist schwierig. Die Situation nach der Pandemie ist nicht leicht und daher rechne ich nicht mehr damit, einen Pächter für die Gesamtbewirtschaftung trotz intensiven Wettbewerbs akquirieren zu können. Die Gemeinde muss sich sehr gut überlegen, wie sie mit ihrem Schloss künftig als Denkmal nach der Renovierung umgeht und wir müssen wohl andere Wege gehen. Hier denken wir beispielsweise über eine Teilbewirtschaftung nach in Kombination mit anderen Angeboten, die im Schloss abgebildet werden können. Die grundsätzliche Richtung muss am Ende aber der Gemeinderat entscheiden.

AGORA-LA: 

Was macht das Gemeindeentwicklungsprogramm?

Bürgermeister Münder: 

Wir haben verschiedene Themen bereits aufgegriffen und mit der Umsetzung begonnen. Als einen wesentlichen Beitrag zum Thema zum Bauen und Wohnen haben wir die Bewohnerpotenzial- und Flächenpotenzialanalyse in Auftrag gegeben, mit derem Ergebnis wir wohl im August rechnen können. Wir sind gespannt, welche Ergebnisse wir zum Wohnungsbau bekommen werden.

AGORA-LA: 

Wie sieht es mit dem Thema Asyl und Unterbringung gerade mit Blick auf die schrecklichen Ereignisse in Kressbronn aus?

Bürgermeister Münder: 

Wir sind intensiv im Gespräch in der Verwaltung und müssen uns auf Dauer Gedanken machen. Wir sind mit einer internen Projektgruppe dran, denn auch da drängt die Zeit. Die Flüchtlingsfrage wird bleiben, wir werden z.B. auch mittelfristig mehr Klimaflüchtlinge bekommen, diesbezügliche Prognosen über entsprechende globale Wanderungsbewegungen gibt es ja bereits. Mirko Meinel hat das in seinem Vortrag ( Anm.AGORA-LA:vgl.hierdeutlich dargelegt: Er wird diese Menschen in dem Umfang auf Dauer nicht mehr unterbringen.

AGORA-LA: 

Herr Münder, AGORA-LA bedankt sich herzlich für das Gespräch.

Keine Sorge: So viel Eis war’s nicht! (Foto: pixabay)

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