Wohnraumbedarfsanalyse LA

Faktenbasiertes Wissen 

Wer hätte das gedacht? Nun liegt sie endlich vor, die Wohnraumbedarfsanalyse. (TOP 6) Nach einem soliden Kriterienkatalog (vgl. Steckbriefe, 15 Kriterien, S.2-3) hat das Büro empirica Lesenswertes zusammengetragen. Vertreter des Büros waren in der Sitzung am letzten Montag im Gemeinderat online dazu geschaltet und erläuterten ihre Analyse. Es lohnt sich wirklich, dort mal reinzuschauen. Es geht auch um Bevölkerungsentwicklung im Zusammenhang mit Wohnraum. Wer weniger leselustig ist, ab Seite 30 wird es interessant. Dort beginnt das Fazit:

Strategische Positionierung als Familienstandort erfordert hohes Maß an Sichtbarkeit von Langenargen und entsprechende Flächenentwicklungen lautet die Überschrift und weiter:

„ [. . . ] Viel wichtiger in diesem Zusammenhang ist, dass Langenargen seine Sichtbarkeit für Familien ausbaut. Eine solche Sichtbarkeit bedeutet auch, größere Wohnbauvorhaben auf den Weg zu bringen, die nicht zuletzt aufgrund ihrer Dimension geeignet sind, ein differenziertes typlogisches Angebot aus Einfamilien- wie Mehrfamilienhäusern zu realisieren. Ein guter Ansatz ist das derzeit in der Realisierung befindliche Naturella- Areal im Ortsteil Bierkeller-Tuniswald. Mit rund 120 geplanten Wohnungen erreicht das Projekt über den Ortsteil hinaus mindestens eine gemeindeweite Strahlkraft. Bei dem Fokus auf die Potenziale des optimistischen Szenarios, d.h. insbesondere der stärkeren Positionierung als Wohnort für Familien, wäre es erforderlich, weitere und kontinuierlich in den nächsten Jahren am Wohnungsmarkt zu platzierende größere Vorhaben umzusetzen. Diese sollten aus Gründen der Sichtbarkeit insbesondere im Kernort Langenargen realisiert werden, da dieser der Ort in der Gemeinde ist, der die potenziell größte Strahlkraft nach außen, über die Gemeindegrenzen hinaus, hat. In diesem Sinne lassen sich aus der Flächenpotenzialanalyse folgende Flächen mit besonderer Eignung benennen (vgl. Karte „Entwicklungsempfehlungen“): 

▪ Jahnstraße (Nr. 07)
▪ Oberdorfer Straße (Nr. 09) ▪ Bleichweg (Nr. 12) [. . . ]“

Und weiter wird festgestellt, S.32: „ [. . . .] Zudem ist ein sensibler Umgang mit dem lokalen Maßstab zur Wahrung des Ortsbildes sicherzustellen

Der Fraktionsvorsitzende der Offenen Grünen Liste (OGL) Ziebart bezeichnete in seinem Dank an das Büro und die Verwaltung diese Analyse als extrem wertvoll sowohl für junge Familien als auch für die Überlegungen zum seniorengerechten Wohnen. Gemeinderat Dillmann von den Freien Wählern(FWV) merkte an, dass über dem gesamten Papier leider der Satz „ nicht im kommunalen Besitz“ stehe. Er fragte, wie man die jungen Familien anziehen könne. Der Fraktionsvorsitzende der CDU, Terwart, sagte, man müsse schnell bauen. Es gäbe Grundstücke im kommunalen Besitz wie die Tiefgarage am Schloss (Mögliche Überbauung, Anm. AGORA-LA) oder den Mooser Weg und plädierte für das Verkaufen. Die Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, Susanne Porstner, gab zu bedenken, dass in der Analyse zu wenig die Flächen im Eigenbedarf in den Blick genommen worden wären. Gemeinderat Hanser(FWV) begrüßte sie Analyse, wünschte sich jedoch, kleinere Flächen im Besitz der Kommune priorisiert zu betrachten.

Die Vertreter des Büros empirica, verwiesen darauf, dass die Gemeinde Steuerungsmodelle habe, die auch die Attraktivität beispielsweise für Investoren in Baulücken im Innenraum erhöhen könnten. So seien besondere Bereiche abzuwägen, die die Kombination von Familien und Senioren ermöglichen. Auch sei die Gemeinden der Lage, Steuerungsmöglichkeiten in besonders sensiblen Bereichen anzuwenden.Der Satz:„ Sie genehmigen!“ fiel. Die Fläche Mooser Weg sei in der Analyse durch zu hohe Restriktionen belastet (vgl. S.14 Steckbrief und Bericht, S.34)

Auch erinnerten die Vertreter des Büros daran, dass mit Naturella 120 Wohneinheiten dazu kämen und mittelfristig das Gebiet an der Jahnstraße eher umsetzbar sei. Im Anschluss wurde die Wohnraumanalyse unter Streichung des Zusatzes „zustimmend“ auf Anregung der CDU in der Beschlussvorlage zur Kenntnis genommen.

Einordnung:

Diese Wohnraumbedarfsanalyse ist tatsächlich ein Meilenstein in der Diskussion um Wohnraum in LA. Er war überfällig. Die Forderung danach gab es in der Vergangenheit häufig (z.B. hier). Zurecht. 

Man kann nicht im Blindflug ohne eine ausreichend faktenbasierte Analyse die Zukunft dieses Ortes weiter entwickeln. Dass das Reizthema Mooserweg immer wieder aufpoppt, wundert schon. Denn eben durch diese Analyse wird deutlich, dass es durchaus noch genügend andere Flächen gibt. Nicht zu vergessen die Baulücken im Innenbereich.

Auf einmal gibt es ein Grundstück an der Jahnstraße, das sogar der Gemeinde gehört und mit auf der Tagesordnung stand. Wer hätte das gedacht? Wieso war es, wenngleich klein, bisher nicht bekannt?Auch Grund an der Mühlstraße (ehemaliger Rumpelstilzchen-Kindergarten) wird von den Eigentümern zur Bebauung frei gegeben. (vgl AUT-Sitzung vom letzten Dienstag TOP6). Auf Naturella wurde immer wieder hingewiesen. Ebenso hatte Wüstenrot bereits den Fokus auf die Innenentwicklung des Ortes gelegt. Ja, es stimmt, es sind außer der Fläche an der Jahnstr., die hier jetzt völlig unverhofft ins Spiel kommt, keine Grundstücke im Besitz der Gemeinde.

Die Methodik der Analyse des Büros empirica und die daraus folgenden 15 Kriterien zur Beurteilung orientieren sich an Fakten, die die Situation im Ganzen reflektieren. Egal ob die Flächen sich in Gemeindebesitz befinden oder nicht. Die daraus gefolgerten Ergebnisse auf Grundlage der 15 Kriterien berücksichtigt später die Priorisierung. Man kann also eine Fläche, mit der man besonders liebäugelt, nicht einfach aus der Studie herausnehmen. Man bekäme ein völlig falsches Bild. Genauso wenig kann man zwischendurch die Kriterien einfach ändern.

Die Empfehlungen orientieren sich an klaren methodischen Vorgehensweisen. Daran kommt jetzt eine Beurteilung nicht mehr vorbei. Alles andere ist nicht faktenbasiertes Handeln und widerspricht jeglicher Form analytischen Denkens. Dann hätte man diese Analyse gleich sein lassen können.

Weiterführendes aus der Vergangenheit hierhier.

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