Jahreshauptversammlung reloaded
Es ist bekannt, dass Langenargen in seinem Kunstmuseum den Besuchern und Besucherinnen ein qualitativ anspruchsvolles kulturelles Angebot anbietet. So pflegen die Mitglieder des Museums und des Museumsteams das Erbe des Museumsgründers Professor Hindelang sorgsam. Das kam bei der Mitgliederversammlung durch den Vortrag des Kunsthistorikers und Kurators Ralph Michael Fischer in der Jahreshauptversammlung deutlich zum Ausdruck. (s.hier)

Der von Schatzmeister Bernd Kleiser vorgetragene Finanzbericht 2024 im Vergleich zu den Jahren 2022 und 2023 wirkt mit dem Satz sowohl auf der Homepage des Museums als auch in den örtlichen Medien unklar:„ „Seit 2018 schreibt das Museum mit rund 6.500 Euro nach Jahren der Verluste in 2024 erstmals wieder einen Gewinn.“ ( Hervorhebung AGORA-LA.) Aussagen über die Hintergründe der Zahlen aus den letzten Jahre schienen in der Präsentation für die anwesende Mitgliederschaft nicht unbedingt transparent. Als Mitglied des Vereins hat sich die Verfasserin dieses Textes Notizen gemacht, um die Pressemitteilung gebeten und versucht die Zahlen zu interpretieren.

In der öffentlichen Mitgliederversammlung erfuhr man, dass mit rund 55 000 Euro auf der Einnahmenseite ein Zuwachs von 6 Prozent verbucht werden konnte, wozu die Anpassung des Mindestmitgliedsbeitrages verholfen hat. (10 Euro auf 25 Euro). Solide 30 Prozent der Einnahmen resultieren aus Eintrittsgeldern und Verkäufen des Museumsshops.
Die eingeworbenen Spenden – rund 13 000 Euro-nahezu eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahr 2023 – ist Ausdruck und Anerkennung für die professionelle Ausgestaltung der Ausstellungsaktivitäten. So wäre der zwischen dem Regionalwerk Bodensee (vgl. hier) und dem Museum Langenargen abgeschlossenen Sponsoringvertrag ohne diese qualifizierte Vermittlungsarbeit, die über die Grenzen Langenargens hinaus wahrgenommen wurde, wohl kaum zustande gekommen. Kein Sponsor würde ein Haus ohne entsprechend qualifizierte Leitung unterstützen.
Daher ist es erfreulich, dass mehr als 70 Prozent der Einnahmen für Ausstellungsaktivitäten verwendet wurden. Es wäre wünschenswert, durch Zuwächse auf der Einnahmenseite die Ausgaben für anspruchsvolle Ausstellungsaktivitäten gemäß den Leitlinien eines Museums steigern zu können. Zum Kerngeschäft eines Museums gehört die Vermittlung, die thematisch eng mit den Exponaten einer Dauer-oder Sonderausstellung verbunden sind. Das gilt auch für Zusatzveranstaltungen jeglicher Art, besonders für museumspädagogische Aktivitäten. Lesungen, Konzerte oder Theaterstücke zeigen idealerweise einen Bezug zu den Kunstwerken. Sonst könnte man sie auch in anderen Räumen stattfinden lassen. Auch der Kunstpark in Anbindung an das Museum und das Stipendium im Kavalierhaus, beides in Organisation der Gemeinde, haben diesen Bezug.
Alles in allem zeigt die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung im Jahr 2024 tatsächlich einen erfreulichen Überschuss von mehr als 6 000 Euro. Daran haben natürlich auch die Ehrenamtlichen einen großen Anteil. Nur so kann sich ein Museum auf Vereinsebene halten, nur so bleiben die Türen für das Publikum offen. Dabei ist es essentiell, gemeinsam ein Konzept zu erarbeiten. Der Deutsche Museumsbund hat speziell unter dem Titel „ Bürgerschaftliches Engagement im Museum“ einen Leitfaden entwickelt. (vgl. hier, S. 20 ff.) Wie man eine nachhaltige Strategie in einem Museum entwickelt, ist hier beim Bundesverband der Museumspädagogik e.V. nachzulesen.
Abschließend ist zu berichten, dass der Museumsverein laut Schatzmeister Kleiser gegenwärtig 511 zahlende Mitglieder hat. Zum Mitgliederschwund hieß es auf Nachfrage aus dem Publikum der Versammlung, dass der Altersdurchschnitt immer recht hoch war, so dass einige Mitglieder verstorben seien. Genaue Mitgliederzahlen aus der Vergangenheit sind auf Nachfrage kaum zu erfahren.

Es bleibt zu wünschen und zu hoffen, dass es dem neu aufgestellten Vorstand gemeinsam mit der neuen Kuratorin gelingt, die Begeisterung für das Kunstgeschehen in der Bevölkerung auch außerhalb von Langenargen wach zu halten. Neue Mitgliedschaften zu generieren, die eben auch die finanzielle Situation des Vereins verbessern könnten, dürfte ein wichtiger Baustein sein.
Ob eine zeitlich nur begrenzte Kuratoren-Verpflichtung, wie jetzt geschehen, für eine langfristige strategischen Entwicklung des Museums und damit für steigende Besucherzahlen sorgt, bleibt abzuwarten. Bei über 7000 Einwohnern und Einwohnerinnen in LA könnte man mit einer Mitgliedschaft doch die Kasse des Schatzkästchens klingeln lassen!
Transparenzhinweis: Die Verfasserin dieses Textes ist u.a. Museumspädagogin und seit vielen Jahren Mitglied im Museumsverein
P.S.: AGORA-LA freut sich darauf, in den offiziellen Presseverteiler des Museums aufgenommen zu werden. Vielen Dank!


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