SOS für Sozialarbeit


Bereits im August hatte AGORA darauf aufmerksam gemacht, dass die Situation der Unterbringung von Menschen, die sich in prekärer Lebenssituation befinden, geflüchtete und Menschen, die z.B. durch Zwangsräumung in den Status der Obdachlosigkeit geraten, schwierig ist. Der Zustand der Obdachlosenunterkunft in der Unteren Seestr. 110/ gegenüber dem Strandbad ist menschenunwürdig und entspricht nicht dem Bild einer immer wieder durch die Verwaltung dargestellten prosperierenden Gemeinde. Gerade wurden die Zahlen zum Haushalt in der Einwohnerversammlung in positiver Weise herausgekehrt.

So kann man nun froh sein, dass in der GVV-Sitzung am letzten Montag im Rahmen des Berichtes des Integrationsbeauftragten endlich das Zahlenwerk bekannt gegeben wurde, auf das AGORA so lange gewartete hatte. Ihre Presseanfrage seiner Zeit an alle drei Bürgermeister des GVV blieb unbeantwortet. 338 Personen sind auf 28 kommunale und 24 private Unterkünfte verteilt. Hinzu kommen eben dann noch die 20 Personen, die im Zuge einer Zwangsräumung untergebracht werden müssen. Davon stammte z. B. im Frühherbst eine Person aus Kressbronn, die in dem alten Tennisheim untergebracht wurde, dessen Zustand nach dem Auszug der Asylbewerberfamilie im Jahr 2018 nicht verbessert wurde. Diese Person musste im Rahmen der Unterbringung des GVV dort einziehen, einziehen in eine menschenunwürdige Situation, die länger als 2018 bekannt ist. Es ist anzunehmen, dass die  Gemeinderäte  der drei  Gemeinden immer noch nicht alle  Obdachlosenunterkünfte der jeweils  anderen  Gemeinden kennen.

Auch wird manches Mitglied des Gremiums des GVV kaum seinen Fuß über die Schwelle einer solchen Unterkunft gesetzt haben. Es sind die Bereiche einer Gemeinde, die man leider eher vernachlässigt. Dass der Bund  die  Mittel für die Kommunen wegen der  sinkenden  Flüchtlingszahlen streichen will, ist eine  Katastrophe und ein Schlag in das Gesicht des Personals  des Integrationsmanagements, das immer wieder durch lang andauernden  Krankenstand am Rande der Erschöpfung arbeitet. Wenn die Kommunen hier mit ihren Protesten vom Frühjahr allein gelassen werden, ist der soziale Unfriede vorprogrammiert.

Aber die Mitarbeiter des Integrationsmanagements müssen sich öfter zu Wort melden, um Hilfe bitten und ihre Schützlinge sichtbarer für die sogenannte Mehrheitsgesellschaft machen, gerade weil in allen drei Gemeinden die Helferkreise nicht mehr existieren.

Es reicht nicht nur Zahlen zu verwalten und auf den Bund zu warten. Gute Sozialarbeit, die die Kommune mit eigenen Bordmitteln finanziert, könnte ein Aushängeschild für eine engagierte Gemeinde sein. Davon profitieren alle: Zugewanderte und Einheimische. Meine Leserschaft erinnert sich vielleicht an Frau Waas mit ihrem großen Herz aus Lummerland.

Inzwischen ist heute aus NRW zu hören, dass das Land seinen Kommunen mehr Geld geben will.

Eine Bemerkung am Rande: es wurde in der Sitzung des GVV um die Unterlagen zu dem Vortrag von Herrn Meinel gebeten. Es ist schade, dass solche Unterlagen, die umfangreiches Zahlenmaterial beinhalten, nicht als Sitzungsvorlage zur Verfügung stehen.

Und noch eine Aktualisierung:

AGORA hatte gerade den Beitrag zur Integration fertig, als das folgende youtube video auf dem Redaktionstisch landete. Es ist ein Film zweier syrischer Mädchen, die in LA seit 2015 leben, erfolgreich die Grundschule in LA abgeschlossen haben und nun auf die weiterführende Schule nach Kressbronn gehen. Die deutsche Version ist in Arbeit und wird dann in den nächsten Tagen ergänzt. Die Eltern haben natürlich ihr Einverständnis zur Veröffentlichung gegeben.

14.11.2019, 8.56 Uhr

Hier die versprochene deutsche Version frisch auf den Tisch:

14.11.2019, 22.42 Uhr