So schallt’s


von der Alb: aktualisiert

Bis mittags hat es heute gedauert. Genau bis 13.27 Uhr. Dann haben die Medienschaffenden der Schwäbischen Zeitung aus dem Ostalbkreis mit der mitleidsheischenden Überschrift “Nach der Niederlage in Langenargen:‘Viele sagen: Kommt doch zurück!‘ “aufgemacht.

Es ist schon erstaunlich, dass am Tag danach die erste Stellungnahme des Wahlverlierers Achim Krafft in der Zweigpostille der Schwäbischen Zeitung mit dem schönen Namen „Ipf-und Jagst-Zeitung“ erscheint.

Eigentlich wird jeder Kampagnen-Manager dem Verlierer nach einer Wahl raten, auf umfangreiche Erklärungen zu verzichten. Auch der Verzicht auf Schuldzuweisungen gehören dazu. Da sagt doch tatsächlich der in einer demokratischen Wahl Abgewählte, die Anfeindungen seien vor allem von der Gegenseite ausgegangen und nennt sogar ein Zahlenverhältnis. Ganz aus der  Verantwortung wolle er unterdessen auch seine Unterstützer nicht entlassen, so die „Ipf- und Jagst-Zeitung“ und zitiert Krafft: „Ich würde sagen, 80 zu 20.“Immerhin.

Nein, meine liebe Leser und Leserinnen, Sie warten vergebens auf ein demütiges Eingeständnis von eigenen Fehlern. Es kommt noch schlimmer. Krafft sieht in dem starken Zuzug, den Langenargen in den vergangenen Jahren erlebt hat, den Grund für eine Spaltung der Gemeinde, so die„Ipf-und Jagst-Zeitung“und zitiert Krafft wörtlich: „Darunter sind viele Menschen mit sehr, sehr viel Geld.“ Diese Gruppen hätten seinen Konkurrenten unterstützt, heißt es weiter. Ob er sich überlegt hat, wie er eine solche Behauptung belegen kann und ob er dem Ort dadurch möglicherweise Schaden zufügt? Auch ist zu fragen, wie verhält es sich mit seiner Baulandpolitik, wo er doch immer mehr Wohnraum schaffen wollte.Der kann gar nicht allein von Langenargenern genutzt werden. Das bedeutet Zuzug.

Soweit die Äußerungen eines schlechten Verlierers.

Aber dann gibt diese ostälblerische Zeitung doch tatsächlich aus der Ferne, vermutlich nicht recherchiert, Auskunft über den vermeintlichen Schleudersitz für manchen Amtsinhaber aus der Vergangenheit in LA. Von wegen Schleudersitz. So gefährlich war das mit der Fliehkraft auf den Bürgermeisterposten seit 1945 auch wieder nicht. Schauen Sie mal:

  • 1945–1954: Alfred Wocher, CDU
  • 1954–1974: Franz Eble, CDU
  • 1974–1982: Lothar Grothe, CDU
  • 1982–2012: Rolf Müller, CDU
  • seit 2013: Achim Krafft, CDU

Man beachte doch allein die 30-jährige Amtszeit von Rolf Müller.Die Kontinuität der Parteizugehörigkeit ist natürlich jetzt ordentlich durchgerüttelt.

Erstaunlich ist auch, dass die Zeitung von der Ostalb so genau weiß, wer auf wen und wie im Wahlkampfgetümmel losgegangen ist. Die „Ipf und Jagst-Zeitung“war dabei?

Hat sie beide Seiten nach guter journalistischer Sitte zu Wort kommen lassen? Hat sie sich vielleicht eher aus alter  Heimatverbundenheit des Wahlverlierers zu diesem Beitrag hinreißen lassen? Weiß man auf der Alb nicht, dass es hier um eine demokratische Wahl geht und nicht um Geld für Kandidaten?Hat sie nicht darüber nachgedacht, dass der Amtsinhaber vielleicht wegen nicht zufriedenstellender Arbeit nach acht Jahren abgewählt wurde?

Hat sie scheinbar nicht! Aber auf der Alb ist soll ja manches anders sein.

Wir erinnern uns an den ersten Wahlgang mit den Parallelen zur US-Wahl. Das Eingestehen von Fehlern liegt wohl beiden Abgewählten nicht. Es ist am 1. Januar 2021 endgültig vorbei.

Aktualisierung, 1.12.2020, 7.45 Uhr

Die heutigen Ausgabe der Schwäbische Zeitung titelt bei uns viel harmloser: „Der neue Bürgermeister von Langenargen braucht eine Wohnung“. Dort klingt Krafft so: „ ‚Ich hadere nicht damit. Die Wahlbeteiligung war gut, bei einer geringen Beteiligung und einem nicht so deutlichen Ergebnis wäre es schwieriger“, so Krafft. Was nach dem Ende seiner Amtszeit auf ihn und seine Familie zukomme, sei noch nicht sicher. „Dafür ist das Ergebnis noch zu frisch. Wir müssen jetzt schauen, was beruflich und privat kommt.“ Eine große Abschiedsfeier werde es nicht geben, sagt Krafft: „Das wäre auch ohne die Corona-Regeln nicht angemessen.‘ “ Keine Rede von den „Menschen mit sehr, sehr viel Geld“. Diese Bemerkung wagt der abgewählte Bürgermeister scheinbar nur gegenüber der Presse in der Ferne. Die übernimmt das „Wording“ ungeprüft. So verbreitet der Ableger der Schwäbischen Zeitung, die Ipf-und Jagst-Zeitung, ein Narrativ, das mit Postfaktischem die Leserschaft der Alb bedient.

Die Schwäbische Zeitung berichtet auch in Bad Waldsee über Langenargen hier. Sie spricht von einer „kuriosen Personalie“ und schreibt weiter: „Nicht nur, weil in diesem Fall der Herausforderer über den Amtsinhaber triumphierte, sondern auch, weil Münders Werdegang für die Waldseer kein alltäglicher ist. 2018 scheiterte er mit seiner Kandidatur als beigeordneter Bürgermeister der Stadt Friedrichshafen. Im vergangenen Jahr wurde er dann zum neuen Ersten Beigeordneten in Bad Waldsee gewählt und setzte sich gegen 22 weitere Bewerber durch. Bekanntlich musste er aus gesundheitlichen Gründen kurz vor Amtsantritt absagen. Nun ist er also neuer Bürgermeister in Langenargen.“

Einordnung :

Ole Münder ist mit seiner Kandidatur in Friedrichshafen 2018 nicht „gescheitert“. Man darf ruhig mal im SÜDKURIER von damals dazu nachlesen.Die Bürgermeisterwahl in FN war eine politische Wahl. Die drei größten Fraktionen im Rat haben laut Gemeindeordnung das Vorschlagsrecht bei der Besetzung von Bürgermeisterposten.“ Katy Cuko schrieb damals: “ Entscheiden sollte am Ende aber nicht das Parteibuch, sondern die fachliche Qualifikation.“ Und weiter:“ Darum ging es bei Wahl von Dieter Stauber nur nachrangig.“

1.12.2020, 11.18Uhr

Ein SÜDKURIER-Artikel als Nachtrag findet sich hier, 1.12.2020, 22.02 Uhr

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