Drei Millionen geflüchtete Menschen mehr in 2020


Zum Weltflüchtlingstag heute am 20.Juni

Foto AGORA-LA: Ai WeiWei’s Laundromat ( Der chinesische Künstler Ai Wei Wei hat nach dem Besuch in einem Flüchtlingslager in Griechenland die zurückgelassenen Kleidungsstücke gereinigt und ausgestellt. Die Installation ist Teil einer Ausstellung in Düsseldorf 2019 gewesen:“ Everything is art. Everything is pollitics“)

82,4 Millionen Menschen sind 2020 trotz Pandemie auf der Flucht gewesen. 3 Millionen mehr als im Jahr zuvor. Das ist fast so viel wie Deutschlands Einwohnerzahl. Doppelt so viele wie noch vor 10 Jahren. Ein großer Teil waren Klimaflüchtlinge. Auf der Flucht vor einem Klima, dessen Wandel viele reiche Staaten in Europa zu verantworten haben. Sie strandeten oft an den durch die Pandemie geschlossenen Grenzen Europas in den Horrorlagern wie in dem inzwischen geschlossenen Lager Moria auf Lesbos. Sie hatten es schwer ihren Asylantrag zu stellen, weil Europa wegen der Pandemie die Grenzen dicht gemacht hatte. So berichtet das UNHCR, dass 1,5 Millionen Menschen weniger Asyl beantragen konnten. 

Seit 70 Jahren gibt es die Genfer Flüchtlingskonvention, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges verabschiedet wurde. Durch den Verlust ihrer Heimat versuchte man den damals Geflüchteten Schutz zu bieten. Die taz berichtet in ihrer Wochenendausgabe zum heutigen Tag hier. Der EKD -Vorsitzende Bedford-Strohm hat hier zur Solidarität mit den Geflüchteten aufgerufen. Eine beeindruckende Dokumentation „Wir schicken ein Schiff“ von Ostern 2020, die die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD)initiiert hatte, können Sie hier ansehen. 

Und wie leben die Geflüchtene hier bei uns in der Gemeinde? Wie geht es ihnen in Zeiten der Pandemie? Wie geht es Menschen, die bereits durch Flucht vor der Pandemie traumatisierte waren und bereits vor Corona Ängste hatten? Wie hält man Kontakt zu ihnen? Sie können sich bei AGORA-LA an manchen Stellen zur nicht immer erfreulichen Situation der Geflüchteten ein Bild machen. Beispielsweise hier , hier, hier oder hier. Aber es gab auch Positives: Für einige Kinder Hilfe über die Stiftung Integrationskultur, die an einige Familien Laptops für das digitale Lernen spendeten. 

Ja, es ist nicht leicht, den Kontakt im Alltag zu allen geflüchteten MitbürgerInnen zu halten. Darunter haben wir alle gemeinsam gelitten. Gerade in Zeiten von Corona, in denen Abstandhalten zur Pflicht wurde. Aber es wird Zeit, dass das Thema Integration wieder sichtbarer wird. Besonders wichtig ist es, dass die Kinder schulisch nicht abgehängt werden. Auch dazu gibt es eine Studie vom ifo -Institut für Wirtschaftsforschung:

„[…] Zusammenfassend haben geflüchtete Kinder meistens schlechtere Voraussetzungen für den Bildungserfolg. Graham et al. (2016) zeigen, dass der Bildungserfolg geflüchteter Kinder negativ von einem falschen Verständnis des Bildungssystems seitens der Eltern, Stereotypisierung durch Lehrer, Mobbing, Ras- sismus, Traumata und Zwangsaufenthalte beeinflusst wird. Dem gegenüber stehen interne Ressourcen wie die eigene Lebensmotivation, eine erfolgreiche kul- turelle Anpassung oder soziale Ressourcen, wie die Involvierung der eigenen Eltern sowie ein unterstüt- zendes familiäres Umfeld, eine korrekte Abschätzung der Fähigkeiten und folgenden Klassenstufenzuord- nung und ein interkulturelles Verständnis der Lehrer .“

🌶🌊🐟

Was AGORA-LA so alles unter der Kategorie „Miniaturen“ beim Aufräumen des Computers findet: Eine Begebenheit aus dem Ehrenamt Asyl

Abendidylle in der alten Tennis- Baracke ( geschrieben: August 2017 )

Als ich gestern von Schwimmen kam, hatte die Mutter meiner zu betreuenden Familie einen Frisiersalon auf der Veranda eröffnet und färbte der Tochter die Haare, der halbwüchsige Sohn betrachtete das Schauspiel, während der jüngste Bruder unverhofft aus den Tiefen seines Planschbeckens auftauchte, um mir stolz seine Beute zu zeigen: Eine echte kleine Sardine in seiner kleinen Hand, leblos! Der Junge jedoch überglücklich!

Immer wieder rief er“ Fisch, Fisch“ und griff nach dem rumliegenden Messer, um dem leblosen Schuppentier Kopf und Schwanz ohne Hemmungen abzuschneiden.

Danach tauchte er wieder ins Planschbecken ab und zog die nächste Beute an Land, während die Akteurinnen des Frisiersalons vor einem Wald überreifer, roter Peperonipflanzen, die am Ufer des Sardinen – Meeres wuchsen, ungerührt mit der Kolorierung ihrer Haarpracht fortfuhren!

Was war passiert? Wie kam der tote Fisch in das Gummiplanschbecken?

Die Mutter hatte zuvor im türkischen Supermarkt tote Sardinen gekauft, weil der kleine Sohn unbedingt echte Fische anfassen wollte! Es ist bekannt , dass er Schuppentiere jeglicher Art liebt. Einige landeten davon offensichtlich im Wasser, der Rest der Fangbeute wird wohl in der Friteuse verschwinden! 

Der von mir gerade zuvor neu eingekleidete ältere Sohn verließ kopfschüttelnd die Szene mit der Bemerkung: „Was für eine Familie!“ Im Weggehen blitzte das knallrote Sonderpreisschild an seinem Hintern, mit dem er wohl zuvor den ganzen Nachmittag mit mir durch FN gelaufen war!

So, jetzt gehe ich schwimmen, nach Sardinen tauchen! Ehrenamt Asyl ist anstrengend, aber immer wieder überraschend! Es gibt noch mehr Miniaturen. . . .

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