Der Ortskern von Hohenems


Wie ein Quartier wieder zum Leben erweckt wird

eingesendet von Christine Köhle und Peter Kraus

Besucht man heute Hohenems, fühlt man sich zwischen den sensibel sanierten Häusern der Marktstraße und des jüdischen Viertels gleich zuhause. Ein schön dekorierter Blumenladen, kleine Cafés, Modeläden mit nachhaltigen Konzepten, Bioladen und Reformhaus sorgen für die Belebung der aufwändig gepflasterten Straßen. Dass dies nicht immer so war, erfuhr eine kleine Gruppe Langenargener Gemeinderäte und interessierter Bürger, die im Rahmen einer privaten Initiative eine exklusive Führung mit dem Initiator der Sanierungen in Hohenems, Markus Schadenbauer, erleben durften. Anhand eines städtebaulichen Modells der Stadt, das er liebevoll seine „Spielwiese“ nannte, erklärte er in seinem Büro die städtebauliche Entwicklung von Hohenems. Geschichtlich beginnend im 16. Jahrhundert schilderte er die Ansiedlung der Handwerker und später der Juden mit kaufmännischen Rechten, die den Ort prägten und zur Blüte brachten. Das Jüdische Museum, das in einer sanierten Villa untergebracht ist, hat die Geschichte  von christlicher und jüdischer Bevölkerung in Hohenems aufgearbeitet.

Modell Hohenems (c) AGORA-LA

Markus Schadenbauer fand das Quartier vor 30 Jahren in einem verwahrlosten  Zustand vor, mit einem großen Leerstand der Ladengeschäfte. Eine vor sich hinsterbende Stadt.

Als Unternehmensberater und mit einem visionären Stadtentwicklungskonzept begann er in Privatinitiative ein Haus nach dem anderen zu erwerben und qualitätsvoll zu sanieren. An seine Seite holte er sich  beratend das Landesdenkmalamt, obwohl viele der Häuser keinen Denkmalschutz hatten. Ebenso gab es Absprachen mit der Stadt Hohenems, die schnell den Erfolg des Konzeptes erkannte. 

Mittlerweile sind 28 Häuser saniert worden und zum größten Teil an Eigentümer jeden Alters übergegangen. Ganze Straßenzüge wurden wieder zum Leben erweckt, regionale, ökologisch nachhaltige Geschäftsmodelle entwickelt. Da die Bewohner des Viertels ihre neu geschaffenen Läden sehr wertschätzen, werden diese auch von Ihnen unterstützt. Viele der Bewohner möchten nach ihren Möglichkeiten einen Beitrag zum Quartier leisten. Es werden gemeinsam Gärten und Innenhöfe angelegt, Hoftore geöffnet, damit auch die Häuser in der 2. und 3. Bautiefe für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Für den Straßenraum, sowie die Grünanlagen entwickelte ein Landschaftsplaner eine Gesamtplanung. Verschiedene, zum Teil namhafte Architekten, wurden an der Sanierung der Gebäude, sowie bei den Neubauten, die sich stimmig in den Bestand einfügen, beteiligt.

Markus Schadenbauer erklärte den Besuchern, wie wichtig es ist, dass man bei der Sanierung der Projekte das Tempo herausnimmt, denn „diese Häuser bleiben für die nächsten 50 – 100 Jahre bestehen.“ 

Wenn von Seiten der Stadt Hohenems einem Bauherrn oder einer Bauherrin die Zusammenarbeit mit dem Gestaltungsbeirat nahegelegt wird, dürfen sie diesen nicht ablehnen.

Da die Marktstraße und das Jüdische Viertel durch ihre enorme Aufwertung mittlerweile auch Bauträger anziehen, wird sehr kritisch von Seiten der einzelnen Gremien vor der Baufreigabe geprüft, was dieser Bauträger für einen Beitrag für die Öffentlichkeit und für das Quartier leistet. Der Bürgermeister, der Gemeinderat und der Gestaltungsbeirat beurteilen bei jeder Baumaßnahme, ob sie sich ins Viertel einfügt, oder nicht. Es ist die Gemeinde, die entscheidet, wie und wo sie ein neues Gebäude haben möchte. Das Stadtbild soll bewahrt bleiben.

Das nächste große Projekt, das auf seine „Erweckung aus dem Dornröschenschlaf“ wartet, ist die Villa von Franziska und Iwan Rosenthal, einem  jüdischen Fabrikantenehepaar, das die Villa 1890 so umgestaltet hat, wie sie heute da steht.

Villa Rosenthal (c) AGORA-LA

Markus Schadenbauer hat es selbst vor Jahren nicht für möglich gehalten, dass er irgendwann diese schöne Villa mit altem Baumbestand sanieren darf. Eine große Wertschätzung  seiner bisherigen Arbeit. Hier soll nach der Sanierung das Literaturhaus Vorarlberg einziehen. 

Auf den fast blinden Fenstern hat man poetische Gedanken angebracht, sodass das Haus schon heute zu einem spricht. Man spürt , dass es noch viel zu erzählen hat … 

Auf jeden Fall wird es einen weiteren wesentlichen Beitrag zur Entwicklung des städtebaulichen Kleinods Hohenems leisten.

Poesie auf den Fenstern der Villa Rosenthal(c) Elke Krieg

Unter der Fassade (c) Christine Köhle
Modeschaufenster der anderen Art( c) Christine Köhle
Sprichwörter aus anderen Sprachen: eine Aktion des künftigen Literaturhauses in der Villa Rosenthal (c)Elke Krieg

Anmerkung:

Ich hatte als Privatperson den Kontakt vermittelt, bin als Privatperson mitgefahren und habe bewusst auf eine eigene Berichterstattung verzichtet.

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